Geschichte der Wispensteiner Leinebrücke
Carsten Lemensieck

Wann die Leine bei Wispenstein zum ersten Male mit einer Brücke überquert wurde ist nicht mehr bekannt. Früher pflegte man die Flüsse an seichten Stellen, den Furten zu durchqueren. Das bedeutete, dass es nach Regenzeiten auch einmal ein paar Tage gewartet werden musste, um über den Fluss zu kommen, wenn kein Boot oder gar eine Fähre vorhanden waren.  Insgesamt gab es wohl relativ wenige Brücken an kleinen Flüssen, denn mit dem Treibholz aus der Flößerei und dem Treiben von Eisschollen am Ende eines Winters waren sie auch ständig gefährdet. Kleine Gemeinden konnten sich keine Brücken leisten, die so gebaut waren, dass sie allen Gefährdungen standhielten. 

In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts entwickelte sich die Industrie in ganz Deutschland. Man benötigte viel Holz, dass im Harz in großen Mengen vorhanden war und deshalb dort in den Wintermonaten eingeschlagen werden konnte. Über die Söse, Ruhme und die Leine wurde es dann in Verbänden nach Norden  geflößt. Das geschah überwiegend im wasserreichen Frühjahr nach der Schneeschmelze. Als dann die Eisenbahn 1854 von Göttingen bis Hannover fertiggestellt worden war, wurde die Flößerei unrentabel. Es war einfacher und schneller, das Holz auf Waggons zu verladen. Es ist anzunehmen, dass die erste Brücke erst danach gebaut wurde. 

Die Notwendigkeit für den Bau einer Brücke ergab sich aus der Lage der Wiesen des Wispensteiner Gutes und der  Vorbürger. Auch die vielfältigen Verbindungen, die nach Freden, Meimerhausen, und Röllinghausen bestanden, mögen dazu beigetragen haben. Das Gut benötigte jedes Jahr große Mengen Heu für seine Rinder und Schafe. Auch die Vorbürger hatten meistens eine Kuh, Schafe oder Ziegen im Stall. Eine Brücke  ersparte weite Umwege, da seinerzeit an eine allgemeine Motorisierung noch nicht zu denken war und sich die nächsten Übergänge wohl in Freden und in Alfeld befanden.

Die Leinebrücke wurde dann 1872 von Ernst von Steinberg gebaut (siehe Foto links). Sie bestand aus Holz mit vier Stützpfeilern, die in der Leine standen. Sie waren so angebracht, das in der Mitte ein breiter Durchlass für kleine Kähne und auch Treibeis frei blieb. Ihre Tragfähigkeit reichte sogar aus, um beladenen Fahrzeugen eine sichere Überquerung zu gewährleisten.


1921 dann genügte die alte Brücke den Anforderungen des Verkehrs nicht mehr. Sie wurde durch eine Konstruktion mit einem Mittelpfeiler aus Beton ersetzt, der zur Verringerung des Strömungswiderstandes in einer dem Wasser zugewandten Spitze endete und im Bereich des Wassers mit Stahl armiert war.  Darauf lagen sieben tragfähige T-Träger aus Stahl. Die Fahrbahn bestand aus dicken Holzbohlen. Ein stabiles Geländer verhinderte Unfälle von Passanten.

Auf der Wispensteiner Seite wurden zwei halbkreisförmige Steine aus Selterdolomit  auf einem Sockel aufgestellt. Sie trugen das Wappen der Familie von Steinberg und ein Wappen mit drei Lilien. Bei einem Hochwasser in den 60er Jahren wurden die Widerlager der Brücke am Wispensteiner Ufer beschädigt. Das Wappen mit den drei Lilien liegt seitdem in der Leine. Das Zweite Wappen steht jetzt auf der Pappelstrasse oberhalb des Lohmann'schen Gartens.

Auf der Meimerhäuser Seite wurde flussabwärts ein Pegelhäuschen aufgestellt, in dem, insbesondere bei drohendem Hochwasser, der Pegelstand abgelesen und telefonisch nach Hannover gemeldet werden konnte. Zwei weitere Pegelablesungen ermöglichten der hinter dem Mittelpfeiler eingerammte Balken mit Meterskala sowie ein gleichartiger Balken in der Nähe der Auffahrt zur kleinen Bahnbrücke neben der Blockstelle der Eisenbahn. Dieser war genau eingemessen und wurde bei Hochwasser, wenn die beiden anderen Pegel bereit überflutet waren. Nach dem Krieg war Amanda Schnelle mit der Ablesung und Meldung der Pegel beauftragt. Man sah sie bei Hochwassergefahr jeden Tag mehrfach durch das Dorf eilen, um den Pegelstand abzulesen.

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ufgrund dieser stabilen Brücke konnte die Heuernte mit Leiterwagen erfolgen vor die ein Traktor oder zwei Pferde gespannt waren.

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esondere Wichtigkeit erlangte die Brücke am Ende des II. Weltkrieges. Die 83. Infanteriedivision der US-Streitkräfte überquerte die Brücke mit dem ganzen Tross, ohne das sie nennenswert beschädigt wurde. Der damalige Bürgermeister Heinrich Kettler hatte eine Sprengung der Brücke verhindert und das Sprengmaterial in der Sandgrube vergraben lassen.

Auf dem (inoffiziellen ) Übungsplatz der Pioniere aus Holzminden an der Leinebrücke geschah 1958 ein tragisches Unglück. Das Pionierbataillon 1 aus Holzminden übte das Verlegen einer Brücke. Aus Unachtsamkeit berührte der Kranausleger die über die Wiesen führende Hochspannungsleitung. Zwei Pioniersoldaten waren sofort tot, fünf weitere erleiden z.T. schwere Verbrennungen

Bis 1985 war die Leinebrücke sogar für den Autoverkehr geöffnet. Leider wurde sie, besonders bei nächtlichen Überquerungen arg in Mitleidenschaft gezogen. Manche Autofahrer machten sich einen Spaß daraus, die Brücke mit hoher Geschwindigkeit zu überqueren. Das polternde Geräusch der Bohlen war weithin zu hören. An der Auffahrt wurde auf beiden Seiten eine Schwelle angebracht, die zum Vermindern der Fahrgeschwindigkeit zwingen sollte. Viele hielten sich nicht daran und setzten dadurch mit dem Auspuff auf. Lange Schrammen im Beton der Schwellen zeugten von dem meist nächtlichen Frevel.

1990 musste die Brücke wegen Baufälligkeit für den Gesamtverkehr gesperrt werden. Seitdem verfiel sie zusehends. Das imprägnierte Holz begann zu faulen. An

Schluss fehlt noch!