Vorgeschichte
Um die Geschichte des DRK-Ortsvereins Wispenstein besser zu verstehen, ist es nötig, noch einmal kurz auf den 2. Weltkrieg und die Zeit danach einzugehen. Die Gemeinde Wispenstein war während dieser Zeit starken Umwälzungen unterworfen. Wegen der im Westen näherrückenden Front kamen ab 1943 die ersten Evakuierten aus dem Raum Eschweiler-Jülich. Später trafen die ersten Flüchtlinge aus dem Osten ein. Das hieß für die Wispensteiner enger zusammenzurücken.

Gemessen an den deutschen Großstädten waren die direkten Auswirkungen auf das Dorf gering. Am 23. März 1944 fielen in Wispenstein sieben Sprengbomben beiderseits der Bahnlinie: Dabei wurden die Wohnhäuser von Willy Kramp und Landwirt Heinrich Brodtmann sowie ein Pferdestall völlig zerstört. Die Mutter von Heinrich Brodtmann konnte aus dem Bombentrichter nur tot geborgen werden. Mehrere Familienmitglieder, die sich in einem der Häuser befanden, wurden verletzt.

Anfang 1945 war der Zusammenbruch des Dritten Reiches abzusehen. Einige Wochen vor Kriegsende kam ein Offizier der Wehrmacht in das Gemeindebüro und gab Befehl, vor Einmarsch des Feindes alle Brücken zu sprengen. Er wurde jedoch nicht ausgeführt. Der Bürgermeister ließ den angelieferten Sprengstoff in der Sandgrube vergraben.

So blieben die drei Wispensteiner Brücken erhalten und die Amerikaner fanden bei ihrem Einmarsch am Abend des 7. April 1945 einen intakten Ort vor. Die Besatzungszeit verlief friedlich und ohne wesentliche Zwischenfälle. Die Evakuierten aus Jülich waren wieder zu Hause. Es war vieles knapp. Wirklichen Hunger musste allerdings kaum jemand leiden. In den meisten Haushalten wurden Geflügel, Schweine, Ziegen und Kaninchen gehalten. Fast jeder bestellte einen Gemüsegarten. Viele Einwohner hatten zusätzlich Kartoffelland vom Gut gepachtet. Die Grundnahrungsmittel (Brot, Butter, Zucker, Fleischwaren) wurden zugeteilt. Alle vier Wochen gab die Gemeindeverwaltung Lebensmittelkarten aus. Es gab auch Kleiderkarten oder Bezugsscheine in besonderen Fällen.

Allerdings bereitete dann der Zuzug von Flüchtlingen, überwiegend aus Schlesien und Bessarabien, große Probleme. Es wurde eng in Wispenstein. Hatte die Einwohnerzahl 1944 noch 378 betragen, stieg sie 1945 auf 470 und nach Kriegsende auf einen Höchstwert von 647. Es gab kein Haus, in dem nicht Flüchtlinge untergebracht waren. Manche der neuen Familien waren sehr groß. So kamen die Ergezingers mit insgesamt 20 Personen, Langers mit 10. In manchen Häusern herrschte drangvolle Enge.

Auch das Wetter meinte es nicht gut mit den Menschen in der Nachkriegszeit. Es gab viele eiskalte Winter mit starken Schneefällen. Setzte Tauwetter ein, traten Leine und Wispe über die Ufer und die Familien, die im Unterdorf wohnten, mussten teilweise evakuiert werden.