Solidarität und Gemeinschaftsgefühl
Trotz der schwierigen Verhältnisse gelang es langsam, die desolate Nachkriegssituation in den Griff zu bekommen. Der DRK Ortsverein Wispenstein nahm, inzwischen Mitglieder stark und geführt von tatkräftigen Frauen wie Anna Schomburg, Hella Schneider und Frieda Wecke, seinen Anteil wahr. Es war die Zeit der Sammlungen. Wer etwas entbehren konnte, gab es ab, um anderen zu helfen. Neben den Sammlungen für die im Ort lebenden Flüchtlinge wurde auch für das Durchgangslager Friedland bei Göttingen gesammelt. Hier trafen erst Flüchtlinge und Vertriebene, später heimkehrende Soldaten aus Russland ein. In den Häusern und auf dem Gut wurden Eier und Milch gesammelt. Die Mühle des Gutes stellte Säcke mit Mehl zur Verfügung. Die Nahrungsmittel wurden dann nach Friedland transportiert. In den Jahren von 1947 bis 1950 wurden auch Weihnachtspäckchen für kriegsgefangene Soldaten gepackt und über die Rote-Kreuz-Organisation in die Gefangenenlager geleitet.

1948 war die Währungsreform. Mit dem neuen Geld wurde die Grundlage für eine Überwindung der Mangelwirtschaft geschaffen. Deutschland begab sich auf den Weg zum Wirtschaftswunder. Ab 1949 gingen die beiden deutschen Staaten eigene Wege. Im Westen entstand die Bundesrepublik, im Osten die DDR. Von 1953 an bis in die 70er Jahre wurden Pakete gepackt und vorzugsweise an Familien mit Kindern in der DDR verschickt. Oft waren es Verwandte von Wispensteiner Familien. Wie auch der Auszug aus der Alfelder Zeitung von damals zeigt, war das Wort von den "Brüdern und Schwestern" in aller Munde. Erstaunlicherweise war die Zusammenarbeit, trotz der von der DDR-Regierung betriebenen Abgrenzung, zwischen beiden Rotkreuz-Organisationen gut.

Aktivitäten in den 50er Jahren
In den 50er Jahren lag die Mitgliederzahl des Vereins bei etwa 60-65 Personen. Ein Tätigkeitsbericht aus dieser Zeit schildert, dass mehr als 50 davon Frauen, 5 Männer und 8 Schwesternhelferinnen und Helferinnen waren. In Wispenstein gab es eine Unfallmeldestelle, eine Suchdienst- und eine Mütterberatungsstelle. Während des Jahres wurden 6 Hilfswerk-, 1 Muttertag- und 1 Rotkreuzsammlung durchgeführt. Es wurden mehrere Sportfeste betreut, 16 Tage wurden kranke Menschen und 3 Monate lang Wöchnerinnen versorgt. Für einen alleinstehenden Mann musste täglich gekocht werden und in 10 Fällen wurde erste Hilfe geleistet. Ein Kranker benötigte täglich eine Injektion. Der Ortsverein traf sich je viermal im Jahr zu Versammlungen und Vorstandssitzungen. Generell war es so, dass bei häuslichen Unfällen eine Helferin oder die Gemeindeschwester gerufen wurden, die Wunden versorgte und Verbände anlegte.