Ehrenamt
Vielleicht sollte hier einmal darauf hingewiesen werden, dass die Arbeit im und für das Rote Kreuz ehrenamtlich ist. Das bedeutet, es gibt in Deutschland 400.000 Menschen, die ohne eine Vergütung ihre Zeit und Arbeitskraft dem DRK und damit der Allgemeinheit opfern.
Neben der Bergwacht, der Wasserwacht, dem Jugendrotkreuz und den Sozialen Diensten bilden die Bereitschaften die größte und zugleich bekannteste Gemeinschaft des DRK, denn sie werden am ehesten im Alltag wahrgenommen. Etwa 40% aller Ehrenamtlichen engagieren sich hier, leisten u.a. Sanitätsdienst in Notsituationen und sichern Großveranstaltungen. Arbeit für das DRK, d. h. Hilfe am verletzten, verunglückten oder kranken Menschen erfordert Fachkenntnisse. So fanden 1964 für die Ortschaften Imsen und Wispenstein Bereitschaftslehrgänge und Unterweisungen in häuslicher Krankenpflege mit großer Teilnehmerzahl statt. In 16 bzw. 8 Doppelstunden wurde von der Kreisbereichsleiterin Frau Johannßen und Schwester Dorothee, die ihre Kenntnisse durch jahrelange Arbeit im Gronauer Johanniter-Krankenhaus erworben hatte, das notwendige Wissen vermittelt. Zu diesen Lehrgängen wurden nur die aktiven Mitglieder zugelassen, die zuvor bereits einen Sanitätslehrgang absolviert hatten. Wie die AZ berichtet, stand dadurch in Wispenstein zum ersten Male eine weibliche und eine männliche Bereitschaft zu Verfügung. Die Gemeinde unterstützte diese Aktivitäten durch die Beschaffung des DRK San-Kastens K 50. Damit war der DRK-Ortsverein Wispenstein gerüstet, bei allen Einsätzen fachgerecht zu helfen.

Frieda Wecke, Mitglied und Schatzmeisterin der ersten Stunde, wurde ebenfalls 1964 vom Kreisverband mit den Aufgaben einer Gemeindeschwester betraut. Mit dem Fahrrad als Transportmittel betreute sie die Kranken in den drei Gemeinden Imsen, Wispenstein und Föhrste. Dann, 1968, trat die 1. Vorsitzende Hella Schneider zurück. Frau Wecke übernahm das Amt zusammen mit ihrer Vertreterin Marianne Bohnsack. Zwei Jahre später, und damit kommen wir in die 70er Jahre, wurde Frau Wecke vom Kreisverband als Gemeindeschwester fest angestellt. Von 1970 bis 1986 übte sie diese Tätigkeit aus. Ihre Hauptaufgabe war es damals, die Kranken zu versorgen, Wöchnerinnen zu betreuen und erste Hilfe bei Arbeits- oder häuslichen Unfällen zu leisten. Die Zahl der Mitglieder im Verein betrug 84.

Die Eisenbahnkatastrophe am 8. Juni 1970

An diesem Tag gab es für den Ortsverein die bisher größte Bewährungsprobe. In voller Fahrt entgleiste der D-Zug 588 um 16.28 Uhr auf der Fahrt von Kiel nach München auf dem rechten Gleis direkt hinter dem Gut. Nur 2 Wagons blieben auf dem Bahndamm stehen, 8 stürzten nach rechts auf den Feldweg und in die Weide, ein weiterer nach links die Böschung hinunter. Etwa 270 Personen befanden sich in den Wagen. Davon wurden 93 verletzt. Zusammen mit vielen anderen Helfern bemühten sich die Angehörigen des Ortsvereins um die Verletzten, leisteten erste Hilfe und spendeten Trost. Es war ein heißer Tag. Deshalb wurden große Mengen Getränke herangeschafft. Durch die schnelle Hilfe konnten die Verletzten innerhalb einer Stunde abtransportiert und auf die umliegenden Krankenhäuser verteilt werden. Das einzige Todesopfer war ein 14- jähriger Junge aus Wispenstein, der sich mit seinem Fahrrad auf dem Feldweg befunden hatte. Nachdem die Verletzten versorgt waren, fuhren viele Vereinsmitglieder die Unverletzten zu den nächstliegenden Bahnhöfen, damit sie ihre Reise fortsetzen konnten. Ursache für das Unglück waren wohl vorherige Arbeiten am Gleiskörper. Die Beseitigung der Schäden am Fahrweg und der Abtransport der Waggons dauerten mehrere Tage. Die Bautrupps wurden in dieser Zeit mit Essen und Getränken versorgt. Über 1.000 Essensportionen wurden an die Arbeiter ausgegeben. Sowohl der Landrat als auch der Präsident der DRK sprachen sich anerkennend über die sachgerechte und schnelle Hilfe für die Unfallopfer aus.