23.03.1944
Sicher ist es nicht vielen Einwohnern des Kreises Alfeld bekannt, daß während des letzten Krieges auch das kleine Dorf Wispenstein das Ziel eines Bombenangriffes war. Ein Augenzeuge, Friedrich Brodtmann, berichtet über das damalige Geschehen: 

Viele der großen Bomberverbände, die ins das damalige Reichsgebiet einflogen, um über größeren Städten wie Hannover und Braunschweig ihre todbringende Fracht abzuladen, flogen auch über Wispenstein zurück. Am 23. März 1944 geschah dann das, womit keiner gerechnet hatte: einige Tiefflieger, die wahrscheinlich den Bombenstrom begleitet hatten, warfen über Wispenstein noch einige Bomben ab. Falls die Eisenbahnlinie getroffen werden sollte, hatte man das Ziel verfehlt. 

Eine Bombe traf das Haus und den Pferdestall eines Landwirts. Die Gebäude wurden total zerstört. Ich selbst war zur Zeit des Angriffs mit meinem damals erst sechsjährigen Sohn Heinz auf dem Gut. Als wir vor die Tür traten, sahen wir Balken und Steine durch die Luft wirbeln. Als wir zur Unglücksstätte liefen und vor dem zerstörten Haus standen, konnten wir genau die Wirkung der Bombe ansehen.
Zwischen Schutt und Trümmern stand die jüngste Tochter des Landwirts, unter Steinen

 und Gebälk eingeklemmt rief die andere Tochter um Hilfe. Meine Schwägerin befand sich immer noch in der Küche zwischen all den Trümmern war dieser Raum noch stehen geblieben, aber vor lauter Rauch und Staub gar nicht mehr zu sehen. Die älteste Tochter und der Sohn des Hauses waren durch herabstürzende Ziegelsteine verletzt worden. 

Ich fragte natürlich sofort nach unserer Mutter, die ich noch vermisste. Sie sollte sich zur Zeit des Einschlags in der Stube befunden haben. Obwohl man sofort nach ihr suchte, fand man sie erst nach einigen Tagen tot in einem etwa 10 Meter tiefen Krater. Sie war das einzige Opfer dieses Angriffs. 

Eine weitere Bombe fiel neben der Mühle auf den Hof; die Mühle wurde zwar nicht beschädigt, doch etwa 20 Zentimeter auf dem Fundament verschoben. Nur 20 Meter von der Einschlagstelle entfernt waren gerade zwei Frauen mit dem Zerkleinern von Holz beschäftigt. Glücklicherweise standen sie auf der abgewandten Seite hinter mehreren Diemen. Dies Holz war ihr Retter. Sie wurden zwar darunter begraben, blieben jedoch unverletzt.

Aus "Alfelder Zeitung" vom 20.03.2000
Das obige Foto dient nur der Illustration