Festrede der Ortsbürgermeisterin
Andrea Brodtmann

Sehr geehrte Gäste,
liebe Wispensteiner aus nah und fern, Freunde unseres schönen Ortes. Ich möchte Sie recht herzlich im Namen aller Besenbinder in Wispenstein willkommen heißen.
Ganz besonders begrüße ich den Bundestagsabgeordneten Herrn Bernhard Brinkmann.
Herr Eckhardt von Klaeden musste leider den Besuch absagen, lässt aber die besten Grüße übermitteln die Herren Landtagsabgeordneten Jürgen Lanclee und Klaus Krumfuß, unsere Landrätin Frau Ingrid Baule, unseren Bürgermeister Herrn Karl-Heinz Duwe mit seiner Ehefrau, die Damen und Herren des Hildesheimer Kreistages Frau Waltraud Friedemann, Herr Werner Kachel und Herrn Lothar Altwasser, die Damen und Herrn des Rates der Stadt Alfeld, unseren Herrn Superintendent Pohlmann sowie den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Herrn Vincent Hoffmann unseren Pastor Herrn Heinrich Schulze, meine Kollegin Frau Ingrid Schünemann die Ortsvorsteherin aus Imsen
und meine Kollegen Herrn Ortsbürgermeister Jörg Schaper aus Föhrste, Herrn Ortsbürgermeister Rolf Mönkemeyer aus Gerzen und Herrn Ortsbürgermeister Horst Mönnecke aus Warzen und die Herren des Ortsrates aus Föhrste.

Alle vier Orte gehörten zum alten Gericht Wispenstein. Besonders begrüßen möchte ich den ehemaligen Wispensteiner den Generalstaatsanwalt Herrn Jürgen Dehn, sowie Herrn Gerhard Kraus als Kreisheimatpfleger, unsere Grundschulleiterin Frau Anita Möller und die Damen des Kollegiums der Föhrster Grundschule Frau Martina Brunke und die Kindergärtnerinnen des Föhrster Kindergartens sowie die Vereinsvorsitzenden aus Föhrste und Imsen. Weiterhin begrüße ich ganz herzlich die Herren Vorstände der beiden großen Alfelder Banken, von der Kreissparkasse Hildesheim Herrn Buchholz und von der Volksbank eG Herrn Keunecke, die unsere Chronik mit großzügigen Spenden unterstützten.
Natürlich begrüße ich auch meine Kollegen des Ortsrates und die Damen und Herren des Festausschusses
und schließlich Frau Heintze von der Alfelder Zeitung.
Vor allem aber freue ich darüber, dass wir hohen Besuch aus der Landesregierung haben. Herzlich willkommen Herr Minister Oppermann bei uns hier in Wispenstein, der Heimat ihrer Vorfahren mütterlicherseits. Ich freue mich, dass Sie dieses Jubiläum mit uns begehen werden.

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, meine sehr verehrten Damen und Herren,

Unser Ort feiert hier und heute an historischer Gründungsstätte ein denkwürdiges Jubiläum.

Die Geschichte der Gründung Wispensteins und die Geschichte dieses Ortes kann ich hier nur ansatzweise erzählen, denn die Details sind in der Dorfchronik anlässlich unseres Jubiläums aus Überlieferungen verschiedener Autoren niedergeschrieben worden. Insoweit sehe ich meine Aufgabe darin, den Versuch zu unternehmen, sie auf diese Dorfchronik und unsere darin festgehaltene Heimat- und Ortsgeschichte neugierig zu machen.

Nun also ein paar wichtige Stationen über die Wispensteiner Historie
Der Hildesheimer Bischof Magnus gestattete den auf dem Burgherrenhof in Alfeld ansässigen Brüdern Heinrich und Dietrich von Steinberg nach Streitigkeiten mit den Alfeldern den Bau einer hölzernen Burg am Zusammenfluss von „Wespe und Leyna“.
1451 wurde diese Burg gebaut. Durch ihre Lage war sie von drei Seiten geschützt. Einmal durch die Leine, die Wispe und den südlich gelegenen Oberg.
Die Ansiedlung bestand lediglich aus dem Wohnhaus derer von Steinberg.
Sie wurde Wispenstein genannt.
Die Gemarkungen im Westen und Norden waren die Orte Imsen und Föhrste und nordöstlich die Dörfer Gerzen und Warzen. Die vier Dörfer bildeten fortan mit dem Burgsitz das Gericht Wispenstein.

Zwischen Wispe, Burg und Leine wurden vom Gründungsjahr bis 1470 einige „Vorbürger“ angesiedelt. Der übrige Ortsverlauf ergab sich an der Durchgangsstraße entlang dem Mühlenbach, der weiter abwärts die Mühle antrieb. Mit diesen Anwesen wurde die offene Flanke im Zugang zur Burg gedeckt.

Die Vorbürger zahlten für Haus, Garten und Land eine Erbpacht an den Gutsherren. Es waren im allgemeinen 10 Taler. Sie bewirtschafteten insgesamt 17 ha Land.

Das gespannte Verhältnis zu Alfeld wurde mit einem Vergleich zwischen den Söhnen von Dietrich von Steinberg und den Alfeldern im Jahre 1482 beendet, in dem sie ihre feste Absicht erklärten für alle Zeiten mit der Stadt Alfeld Frieden zu halten. –
Dieser hat ja ganz offensichtlich auch bis heute gehalten.

Während des 30 jährigen Krieges hatte Wispenstein nur am Rande Kriegshandlungen zu erleben, wahrscheinlich flohen die Bürger in die umliegenden Wälder um nicht den mordenden und plündernden Söldnern Wallensteins zum Opfer zu fallen.

Nach diesem Krieg konnte sich unser Dorf wie alle umliegenden Orte nur sehr langsam wieder erholen, denn die Plünderungen ergaben doch einen erheblichen Schaden.

Viele Generationen derer von Steinbergs konnte Wispenstein bis zum 19. Jahrhundert unter verschiedenen Regierungen erleben.

Im Jahre 1903 wurde in Wispenstein die erste Schule in der Pappelstraße in dem v. Steinbergschen Haus „Dem alten Kruge“ errichtet.
Eine Schulchronik, die auf einem Flohmarkt wiedergefunden wurde, schmückt ebenfalls unsere neue Chronik. Frau Ida Bertram hat diese Aufzeichnungen in unsere Lateinische Schrift übersetzt und so steht uns diese Chronik nun vollständig zur Verfügung.

Wispenstein wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts geprägt von dem I. Weltkrieg, -die Kriegschronik des Lehrers Otte ist tagebuchähnlich gefertigt worden und konnte in die neue Chronik vollständig übernommen werden.
Der II. Weltkrieg ist ebenfalls mit dem Einmarsch der Amerikaner aus den Erinnerungen des Wispensteiners August Justus niedergeschrieben worden.
Der Bombenabwurf am 23. März 1944 über dem Unterdorf war sicher auch ein Ereignis, dass den Ort zu Kriegszeiten erschütterte.

Bis 1958 stand das Gut in Wispenstein in dem Eigentum der Familie von Cramm mit dem Eigentümer Gottfried von Cramm, dem berühmten Tennisbaron.

Danach wurde es an Herrn Dr. Neubeiser aus Köln veräußert. Sein Sohn, Herr Peter Neubeiser betrieb bis zum Jahr 1992 die Landwirtschaft auf dem Gut. Danach erwarb die Niedersächsische Landgesellschaft die Ländereien und die Hälfte des Gutshofes und veräußerte im Jahre 1999 ihr Eigentum an die Familie Bremer aus Seelze,
die uns freundlicherweise nun den Gutshof für die Jubiläumsfeier zur Verfügung gestellt haben. Vielen Dank dafür

Die 500-Jahrfeier im Jahr 1951 war ein weiterer Höhepunkt des dörflichen Geschehens, das die Wispensteiner in der Nachkriegszeit in vollen Zügen genießen konnten.

Bis 1974 war Wispenstein selbstständige politische Gemeinde. Danach wurde es im Zuge der Gemeinde- und Gebietsreform von der Stadt Alfeld als Ortsteil eingegliedert.

Über die weiteren historischen Ereignisse dieses Ortes informiert die Ortschronik, die ich allen Anwesenden wärmstens empfehlen möchte.
Ich hoffe, es ist mir gelungen, sie ein wenig neugierig darauf zu machen.

Die 550-Jahrfeier ist zwar verglichen mit den Nachbarortsteilen noch ein sehr junges Jubiläum, doch es zeigt uns eine bewegte Geschichte auf, die durch die Ausstellung „Wispenstein gestern und heute“ und die überarbeitete Ortschronik wieder lebendig wurde.

Die Gründungsväter Dietrich und Heinrich von Steinberg hatten sich sicherlich etwas dabei gedacht, an dieser Stelle ihre Burg zu erbauen.
Ich kann das gut nachvollziehen, denn auch ich habe als sogenannte Zugereiste Wispenstein, seine Menschen und seine schöne Umgebung schätzen und lieben gelernt.

Meine Amtszeit als Ortsbürgermeisterin und die 2jährigen Vorbereitungen zu dieser Festlichkeit brachten mir den Ort und ihre Einwohnerinnen und Einwohner sehr nahe. Dafür bin ich dankbar.

Auch wenn ich als Kind nicht in den berühmt berüchtigten Mühlengraben gefallen bin, so bin ich doch zu einer Wispensteinerin geworden.

Viele, die in den letzten Jahrzehnten dieses Dorf verlassen haben, sind heute sicher gern hierher zurückgekehrt, um mit uns dieses Fest zu feiern.

Das Jubiläum vor 50 Jahren ist allen Älteren unseres Ortes nach wie vor in sehr guter Erinnerung. Sie schwärmen heute noch von dem damals aufgeführten Theaterstück „Der Türkenschreck“ und dem historischen Festumzug.

Einen Festumzug wollten wir nicht veranstalten, ich hoffe trotzdem, dass man auch an dieses Fest in 50 Jahren noch gern zurückdenkt.

Mein besonderer Dank gilt

  • dem Ortsrat und dem Festausschuss, die mich so hervorragend unterstützten,
  • den Gutseigentümern, Familie Bremer, und dem Ehepaar Neubeiser, die den Gutshof zur Verfügung stellten,
  • dem ehemaligen Wispensteiner Roland Kernchen, der die Chronik überarbeitete und aktualisierte.
  • Sowie vor allem bei unserem großen Kapital Herrn Carsten Lemensieck.
  • Lieber Carsten, lass mich das bei dieser Gelegenheit einmal sagen; es ist ein Glücksfall für unseren Ort, dass du als gebürtiger Wispensteiner nach so vielen Jahren zurückgekommen bist und uns nun bei diesen Festvorbereitungen so intensiv zur Seite gestanden hast.
Vielen Dank sage ich auch
  • unserem Pastor Heinrich Schulze und dem Herrn Superintendenten Herrn Pohlmann für seinen Festgottesdienst und seine Unterstützung,
  • dem ehemaligen Wispensteiner Heinz Riefling, der sich um die Tontaler bemühte,
  • dem Kreisheimatpfleger Herrn Gerhard Kraus und seiner Mitarbeiterin Frau Ina Gravenkamp für ihre Archivleistungen,
  • den Sponsoren durch ihre großzügigen Spenden,
  • dem Kindergarten und den Vereinen und Verbänden für ihre Festbeiträge
  • und allen, die zu der Organisation etwas beigetragen haben, denn ohne diese helfenden Hände wäre diese Feier nicht möglich gewesen.
Ganz besonders freue ich mich, dass auch ein ehemaliger Wispensteiner, der Herr Lothar Rossol mit seiner Ehefrau aus den USA und der ehemalige Wispensteiner Herr Helmut Bollmann aus Frankreich unserer Einladung gefolgt sind.
Damit ist Wispenstein doch sehr international.

Ich hoffe nun, dass sich alle Gäste und auch die ortsansässigen Wispensteiner in dieser Runde wohlfühlen und mit uns das Fest in vollen Zügen genießen.

Ich glaube, dass wir mit so einigen Überraschungen aufwarten können.

Ich wünsche allen Anwesenden einige vergnügliche und unvergessliche Stunden und bitte nun den gemischten Chor das Wispensteiner Lied zu singen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.