Unter dem Titel "Aus der Geschichte des Dorfes Föhrste" ist in der Chronik von Föhrste ein Aufsatz des Rektors Wilhelm Büthe erschienen.
 Das Kapitel "Grund- und Gerichtsherrschaft" befasst sich mit dem Gericht Wispenstein.

Grund- und Gerichtsherren von Föhrste waren die Herren von Steinberg. Nach der vor etwa 200 Jahren verfaßten „Beschreibung des Freiherrlich-Stejnbergischen Gerichts Wispenstein“ von J. Th. Willich (1762) soll das Geschlecht im Anfang von Piemont geheißen haben. Zur Zeit Ludwigs des Frommen (814-840) soll es sich bei Goslar auf dem Steinberg niedergelassen haben. 1760 waren die Reste der alten Niederlassung dort noch zu sehen. Wahrscheinlich stammt von dorther auch der Name „von Steinberg“. 

Sie traten in den Dienst des Bischofs von Hildesheim und bewohnten „den freien Burgmannshof zu Alfeld . . ., worunter Wispenstein mit begriffen gewesen“. Anno 1445 erhielten sie vom Bischof die Erlaubnis, „ein höltzern Haus und Burgstede an der Wispe zu bauen, da sie in die Leine fällt“. 1451 wurde die Burg dann wirklich gebaut...

....Im 1. Lehnsbrief -1487- faßt der Bischof alle Besitzungen zusammen und belehnt die Gebrüder Borchart und Cord von Steinberg, seine „leven getruwen, ümme mannigfaltigen denste willen, den se uns unde unsern Stifte gedan hebben“, mit dem Gericht Wispenstein. 

Dazu gehörten die Burg „tom Wispensteine“, die Dörfer Föhrste, Imsen, Gerzen, Klein Warzen (das heutige Warzen), Groß Warzen (wüst vor der Limmerburg (links von der B 3), Dotyhausen und Barsinghausen (wüst in der „Marke“ nach Groß Freden) und Dohnsen (Wüst in der Nähe der „Waldlust“). 

Das Gericht Wispenstein ist „außerhalb dem innerlichen Bezirke des Ambts Wintzenburg“, wie es im Winzenburger Erbregister - 1578 heißt. Es ist durch „Mahlbäumer und Steine“ abgegrenzt. Über Rechte und Pflichten in diesem Bezirk wird noch zu sprechen sein. Hier soll vorerst über die Gerichtshoheit derer von Steinberg erzählt werden. 

„Anfenglich undt zum ersten so gehoret zu den beiden Adelichen Sitzen zum Wispenstein . . Sowoll das peinliche Hallßgerichte allß das Untergerichte“, wie es im Haus- und Erbregister Wispenstein heißt. 

Zum Halsgericht gehörte eine „dingstedte, die Habekorst genandt mit zweien gallgen“. Diese Richtstätte lag oberhalb der S-Kurve“ die vor einigen Jahren begradigt wurde. Auf einer Flurkarte des 18. Jahrhunderts heißen die Flurstücke dort „Beim Galgenkamp“. Hier wurden die Urteile vollstreckt, auf die das Gericht erkannt hatte. 

Hier sollen nur die drei ersten „Fälle“ angeführt werden. 

Der erste Hingerichtete war der Oppermann Alberteiß, der „zu Imbsen der Kirchen Bedienter gewesen“. Er hatte in der Kirche gestohlen, auch außerhalb der Kirche hatte er „entwendet und geraubet“. Er wurde „auf der Habekost mit einem Rade gestoßen undt vom Leben zum Todte gebracht, daselbß auch aufs Radt gelegt. . . Ist geschehen bey Heinrich von Steinbergß Zeiten Im Ano 1502.“ 

„Es hatten auch die von Lübeck einen ihrer Feinde, der ihnen mit Brandt und Mordt gedreuet im Gericht Wispenstein angetroffen. Undt denselben uf eingeholeter Urtheil undt Rechts uf der Dingstede die Habekost justificiren lassen, Geschehen Ao 1509.“ 

„Eß hat auch Heinrich von Steinbergen zum Wispenstein ein Weib auß Gertzen“ die alte Sekenbergische genanndt“ wegen überwiesener Zauberei mit Feuer uf der Dingstede der Habekorst verbrennen lassen, So geschehen Ao 1529.“ 

So geht es nun durch die Zeiten. Den Urteilen lag das Recht des „Sachsenspiegels“ zu Grunde. Der letzte „Fall“ den ich in den Akten fand, ereignete sich im Jahre 1760. Damals wurden Galgen und Rad an der Habekost neu erbaut und ein gewisser J. Ch. Ossenkopp, der im Alfelder District des Gerichts jemanden erschlagen hatte und der deshalb „an gedachter Habekost mit dem Schwerte enthauptet, und deßen Körper auf das Rad geleget... worden.“ 

Wann die peinliche Gerichtsbarkeit „an das Amt gezogen“ wurde, konnte nicht genau festgestellt werden. Auf jeden Fall wurden die wegen Brudermord verurteilten Mörder Kirk und Buhmann in Winzenburg am 30. V. 1817 unter Hinzuziehung der Bevölkerung einschließlich der Kinder, hingerichtet. (Über Einzelheiten: Siehe Graff). 

Außerdem war das Halsgericht „zur besterkung“ auf dem Anger „vor der Vorburgk, mit einem Pranger, der Kaak genandt,... versehen.“ Über die Bedeutung und Anwendung des Prangers braucht wohl hier nichts erzählt zu werden. 

Das Untergericht war für kleinere Vergehen da: kleinere Betrügereien, Holzdiebstähle, an verbotenen Stellen das Vieh gehütet, zu weit gepflügt, Beleidigungen, Schlägereien usw. usw. Bei den Strafen handelte es sich meist um Geldstrafen. 

Wie solch ein Verfahren vor sich ging, darüber gibt wohl am besten ein Gerichtsprotokoll Auskunft. Es sei hier kommentarlos wiedergegeben: 

„Protocullu des Landgerichtß zum Wispenstein, de dato Wispenstein, den 30sten Juni Anno 1663 

Anno 1663 den 30. Juni ist allhier zum Wispenstein ein offenes Landgericht geheget und gehalten worden. 

Der Gerichtsherr war der Hoch Edel gebohrene Gestreng und Veste Herr Georg Friedrich von Steinberg auf Wispenstein..., Erbseßen 

Der Richter Hanß Timmermann 
Beysitzern 
(2 Namen) 
Schöppen aus Foerste 
(5 Namen) 
Imbßen (4 Namen), 
Gertzen (2 Namen), 
Wartzen (1 Name) 
Urtheil Trägers (2 Namen) 

Nach befestigung aller vorhergehenden Colennitaten ist das Gericht durch den Richter Hans Timmermann, herkommen nach, eingewrogen worden. 

Questio 1 (Frage 1) 

Ob so hoch Tages und Zeit das wegen seines Großgönstigen Jungkherrn Georg Friedrich von Steinberg Er allhier ein offentlich Landgerichte hegen und spannen? 

Erkandt und von . . . Urtheilsträgern zurück gebracht, Wann er die Macht von Gott und die Gewalt von ob bemelten Jungkherrn G. F, von Steinberg hätte, So ist es wohl so hoch Tages, das Ers thun möge. 

Questio II 

Wann nuhn die Stattmastl (Angelegenheiten) heute nicht könnten verrichtet werden, Ob dann Morgen oder andern Tages das Landgericht wiederumb angestellet werden? Erkandt, Ja 

Questio III 

Was er auf diesem Gerichte heißen, gebieten und verbieten soll? Erkandt: Erstlich soll er verbieten schelte und Lästerworte, auch Degen, Meßer, Wehr und Waffen. 

Zum Andern soll er gebieten, daß niemand etwas werbe oder Vorbringen soll, Er thue es denn mit Vorsprachen oder mit ordentlichen Achts vullhen, Alles erkandt, Immaßen es dann alles von dem Richter ordentlich erkannt worden. 

Jedes Dorf Bauermeistern sind durch den Gohgreven Hansen Timmermann angedeutet worden bey Strafe 5 fl, daß sie alles was vorgegangen, nicht verschweigen sollen, oder in obgesetzte Vorfallen sagen. Hierauf sind die Baurmeistern von Dötigehaußen und Baßihausen, Großen Wartzen und Dohnsen (alle wüst), wie auch Föerste, Imbßen, Gertzen und Wartzen zu Einbringung Ihrer Wrogen (Anklagen) gefodert worden.“ 

Und nun folgen „Cum Deo“ die kleineren Vergehen mit ihren Strafen. 

Das Untergericht ging im 19. Jahrhundert im Amtsgericht Alfeld auf. 

Aus der Chronik von 1951 von Herrmann Janson