Im Gegensatz zu den umliegenden Dörfern war Wispenstein über 400 Jahre ein Ort, dessen Wohl und Wehe eng mit dem Gut verknüpft war. Was geschah, bestimmten die Herren von Steinberg. Handwerker gab es nicht. Die Arbeiten auf dem Gut wurden durch die Vorbürger oder die mit nur geringen Rechten versehenen Knechte erledigt. Für notwendige Arbeiten wählte man  Leute aus, die im Ruf standen dafür besonders befähigt zu sein. In den meisten Dingen waren die Wispensteiner Selbstversorger. Die Vorbürger hatten alle einen Garten und ein Stück Land. Dafür zahlten sie eine Erbpacht an den Gutsherren. Alle hielten sich Tiere zur Deckung ihres Fleischbedarfs und zur Gewinnung von Wolle. So gesehen war jeder mehr oder minder gezwungen alle anfallenden Arbeiten zu verrichten.

Die ersten Handwerker waren wohl die Steinhauer. Der Buntsandsteinrücken der Brucht war einfach abzubauen und leicht zu verarbeiten. Aus dem Rohmaterial stellten sie Grabsteine, Torpfosten, Fundamentsteine und Treppenstufen her. Vor allem die Familien Brodtmann, Dietz, Lemensiek, Rott und Strohte übten diese Tätigkeit in mehreren Generationen aus. Eine Steinmetzfirma Lemensiek gab es anfangs in Wispenstein, später in Alfeld bis nach dem Krieg. Der Arbeitsausfall im Winter wurde Ende des vorigen und Anfang diesen Jahrhunderts z. T. durch Zweitberufe wie Hausschlachter kompensiert. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine größere Zahl von freien Handwerkern und etwas später mit der beginnenden Industrie entwickelte sich auch ein Fabrikarbeitertum.

Seit mehr als 150 Jahren ist die Dachdeckerei Siegers in Wispenstein ansässig. Während dieses Handwerk heute fast das ganze Jahr ausgeübt wird, musste die Familie im Winter am Webstuhl arbeiten, um mit Leineweberei das geringere Einkommen aufzubessern.

Seit 1957 besteht die Fa. Lohmann Raumausstattung. Sie wird in zweiter Generation von Dirk Lohmann weitergeführt. Gegründet wurde die Fa. durch seinen Vater Heinz Lohmann, der seine Meisterprüfung als Polsterer, Sattler und Dekorateur ablegte und dann neben dem elterlichen Haus das Geschäft eröffnete.

Viele Berufe wie Schuster, Stellmacher, Schmied, Schneider, Sattler, Frisör, Bäcker gibt es nicht mehr. Sie fielen der tiefgreifenden Umstrukturierung der ländlichen Gebiete, die auch vor Wispenstein nicht halt machte, zum Opfer.

C. Lemensieck