Helga Heuer, geb. Rott

In der 50er Jahren waren die Familien in Wispenstein zum großen Teil noch Selbstversorger. Neben anderen Haustieren wurden auch Hühner gehalten. So auch bei Rotts und Schnelles auf dem Burganger. Tagsüber schritten die Hühner, beschützt von ihrem Hahn, durch unsere Hühnergärten, pickten das ausgestreute Korn und zogen Regenwürmer aus dem Boden. Hühner kennen keine Grenzen. Von Menschen errichtete Zäune werden daher ignoriert. So kam es schon einmal vor, dass unsere Hühner den Zaun überflogen oder ein Loch fanden, durch das sie in Nachbars Garten schlüpfen konnten. In den frei gewordenen Raum stießen dann die Hühner des Nachbarn vor. Das wurde auf der jeweils gegenüberliegenden Seite nicht gerne gesehen und führte besonders dann zu Verstimmungen, wenn die Hühner die neugelegten Erbsen aufpickten oder eifrig scharrend das Gemüse- und das Blumenbeet nach leckeren Käfern oder Larven durchsuchten. Im wiederholten Fall konnte es auch schon mal einen kleinen Streit zwischen den Nachbarn auslösen. Eines Tages war der Ärger so groß, dass Rotts ein Huhn von Nachbar Schnelle einfingen. Dies bekam dann einen Zettel um den Hals auf dem folgende Warnung Stand: „Nehmt Eure Hühner in Acht, sonst werden sie einen Kopf kürzer gemacht.“ Das Huhn wurde dann in den Garten des Nachbarn gesetzt. Die Retourkutsche kam prompt einige Tage später. Rotts stolzer Hahn und Herr über unzählige Hennen war eingefangen und dazu verdammt worden, die Antwort von Nachbar Schnelle zu überbringen. An seinem Hals fand sich ein Zettel mit der Aufschrift: „Hungerkünstler leiden Not, sie suchen sich ihr täglich Brot.“