Anfang April war es dann soweit: Wispenstein wurde von Amerikanern besetzt. Aus den ersten Zeiten der Besatzung berichtet Bernhard Gisder, der am 20. Juni 1945 das Bürgermeisteramt übernahm

Am 7. April 1945, um 22 Uhr, kamen die ersten Amerikaner in unser Dorf. Am 8. April 1945, an einem Sonntag, wurden die ersten Häuser besetzt, unter anderem musste auch Lehrer Schneider seine Wohnung räumen, es durfte nur das Notwendigste mitgenommen werden. Am Sonntag, dem 8. April 1945, fuhr unter der Brucht ein deutscher Lastwagen, der scheinbar von der Besetzung noch nichts erfahren hatte. Neben der Mühle stand ein amerikanisches Geschütz. Dieses ging sofort in Feuerstellung und schon beim zweiten Schuss war der Wagen getroffen, und der Fahrer war tot. Zur selben Zeit wurde im Hause Pöppelwiehe eine Fensterscheibe durch eine Gewehrkugel entzwei geschossen. In der Schule hatten die Amerikaner Schießübungen veranstaltet, das Klassenzimmer sah sehr böse aus. Zum Teil haben sich die Truppen schlecht benommen. Zu nennenswerten Zwischenfällen ist es nicht gekommen, und die Besetzung ist besser verlaufen, als viele dachten. Misshandlungen oder Vergewaltigungen sind nicht vorgekommen. Im Wispekamp hatten die Truppen auch einen Feldflugplatz eingerichtet, hier war ein reger Verkehr der amerikanischen Luftwaffe. Die ersten Tage durfte kein Deutscher sich auf der Straße zeigen, und dann wurde Ausgang bis 18 Uhr bewilligt. Im August wurde die Ausgehzeit bis 23 Uhr verlängert. Anfang Juni wurden die Amerikaner von den englischen Truppen abgelöst. In jeder Ortschaft musste Raum für die Engländer bereitgestellt werden. Dieser Raum wurde bei mir beschlagnahmt. Am 19. Oktober 1945 kamen dann abends plötzlich englische Truppen, es war eine Streife. Ich musste den Raum sofort verlassen und die Truppen benutzten den Raum als Wachlokal. Alle zwei Stunden wurde die Streife abgelöst. 
Am andern Morgen zogen die Truppen wieder ab. Am 31. Oktober 1945 kamen um 23 Uhr zwei Engländer zu mir, ich musste mich anziehen und mit nach draußen gehen. Mit einem Wagen fuhren wir zum alten Forsthaus. Ich musste Wilhelm Schnelle wecken. Schnelle und ich mussten mit je einem deutschen Polizisten von Haus zu Haus und alles wecken. In den Häusern musste alles in einem Zimmer versammelt sein.

In der Zwischenzeit hatten die Engländer den ganzen Ort umstellt. Durch eine Leuchtrakete wurde das Signal zur Razzia gegeben. Wir mussten nun mit den Engländern von Haus zu Haus. Bevor wir hinein gingen, wurde erst jedes Haus umstellt. Dann mussten wir mit einigen Engländern ins Haus, und das ganze Haus wurde durchsucht. Alle ehemaligen deutschen Soldaten, die keinen englischen Entlassungsschein hatten, wurden mitgenommen. 
Es waren: 
Augustin, Albert sen., Dehn, Wilhelm, Friedrichs, Albert jun., Kernchen, Eduard, Klingeberg, Rudolf, v. Soest, Friedrich. 
Sie kamen in ein Lager. Hier wurde ihnen ein englischer Entlassungsschein ausgestellt und am 13. November 1945 wurden sie wieder entlassen. Eines Abends kamen um 23 Uhr zwei englische Offiziere vom Geheimdienst zu mir ins Zimmer. Sie zogen sofort die Pistole und drohten mit sofortiger Erschießung, wenn ich über das Kommende sprechen würde, oder wenn ich versuchte, irgendwelche Personen zu warnen. Sie sagten wörtlich:,, Wenn Sie uns in dieser Nacht verraten, sind Sie eine Leiche!" Mir wurde ein Lichtbild vorgelegt. Es zeigte einen deutschen Major, der auf dem von Cramm'schen Gute Wohnte. Meine Frau musste Schuhe und Mantel zu uns ins Zimmer bringen, und ohne jede Verständigung mit meiner Familie musste ich mit raus. Draußen wurde ich sofort von zwei englischen Soldaten in die Mitte genommen und wir fuhren bis zum Block. Hier wurde ich einem Offizier vorgestellt. Ich wurde nochmals gewarnt und musste die Soldaten, ungefähr 60 Mann, an der Bahn entlang zum Gute führen. Das Wohngebäude wurde umstellt. Mir wurde nochmals jedes Sprechen verboten und dann musste ich voran zur Haustür. Der englische Offizier meldete sich als deutscher Polizist, aber da zu jener Zeit durch Polen und andere Ausländer sehr viel geplündert wurde, vermutete Herr Bollmann, dass Polen vor der Tür waren, und es wurde nicht aufgemacht. Ich bat den Offizier wiederholt, mich zu melden, aber ich durfte es nicht! Als sie nicht zum Ziel kamen, musste ich mich melden. Herr Bollmann machte nun auf, es gab erst einen schweren Auftritt, aber Frau Bollmann trat den Engländern sehr mutig entgegen, und diese wurden dann höflicher. Der Major wurde verhaftet. Es stellte sich dann aber bald heraus, dass er falsch beschuldigt war und wurde wieder entlassen."

Aus der Chronik von 1951