Als sich um die Mitte des 10. Jahrhunderts die meisten deutschen Stammesherzöge gegen den Kaiser Otto I. auflehnten, griff dieser zu einem genialen Mittel, die Macht des Reiches zu wahren: Er gab geistlichen Fürsten bedeutende Reichslehen und machte sie zu weltlichen Herren. 

So entstand im alten Stammgebiet der Sachsen zwischen Leine und Oker, Aller und Harz das Bistum Hildesheim, das bereits im 12. Jahrhundert als "Hochstift" ein staatliches Gebilde wie die Herzogtümer darstellte. Freilich sahen es die Bischöfe nicht als ihre Aufgabe an, die neugewonnenen Gebiete selbst zu verwalten - schließlich waren und blieben sie erster Linie "Seelenhirten". Jedoch wollten sie ungern den Gaugrafen, dem alten sächsischen und fränkischen Adel, die Verwaltung Ihrer Lande anvertrauen. Da griffen sie auf jene Lehnsleute zurück, die als Ministeriaten in ihren Diensten standen, sich aber durch Reichtum und Dienstwilligkeit ausgezeichnet hatten. Diese Lehnsmannen, die von Bischöfen im Laufe der Zeit wertvolle Burgen und Ländereien zugeteilt bekamen, bildeten bald einen neuen Adel: Das spätere Stiftische Junkertum. 

Eines der ersten dieser Geschlechter, die mit Hildesheimischen Lehen ausgezeichnet wurden, war das der Herren ,,vom Stenberge", der Steinbergs. 

Wo es herstammt, ist nicht mehr festzustellen; ältere Chronisten berichten von Bodo von Steinberg, der mit bischöflichem Konsens die Feste Bodenburg erbaut und zum Stammsitz seines Geschlechts macht. Aber jegliche Beweise dafür fehlen heute. Als der erste urkundlich belegte Grundeigentümer dagegen ist uns der ,,ritterbürtige Herr Konrad vom Stenberge" bekannt. Er lebte um das Jahr 1200 und war bischöflich hildesheimischer Ministeriat. Bodenburg, im Süden der Stadt, war sein Wohnsitz. 

Schon unter den Söhnen und Enkeln Konrads verzweigte sich das Geschlecht in sechs Nebenlinien. Von diesen blieben allerdings drei ohne Bedeutung und erloschen noch im Mittelalter. Die übrigen waren die Linien Bodenburg-Brüggen, Bodenburg-Bornhausen und der Alfeldische Zweig. Der Ahnherr dieses letzteren war Herr Konrad II. von Steinberg, der umfangreiche Besitzungen rund um Alfeld und einen freien Burgmannssitz in der Stadt selbst zu Lehen bekommen hatte. 

Dort wohnten die Herren von Steinberg fünf Generationen hindurch, und in dieser Zeit wurden sie zu den mächtigsten Vasallen des Stifts, neben den Wrisbergs, ihren Nachbarn im Westen, den Vettern

Steinberg von der Brüggener Linie, den Saldern, Adlebsen, Schwichelt und v. Alten. 

Ihr Lehens- und Landesherr, der Bischof, ist auf sie angewiesen. Denn das Stift ist im Laufe der Zeit immer mehr verschuldet, das Geld liegt allein bei den Junkern. Und gerade die Alfelder Steinbergs sind reich; so müssen sie dem Bischof immer wieder mit Talern und Dukaten aushelfen - nicht zu ihrem Nachteil, denn als Entgelt streichen sie neue Landstücke, neue Rechte ein. Da braucht zum Beispiel der Bischof Eberhard im Jahre 1378 dringend 50 Mark Silber. Das ist nicht allzu viel, die Brüder Lippold und Heinrich von Steinberg können es schon entbehren. So bekommt der Bischof seine 50 Mark, die Brüder in Alfeld dagegen eine Verschreibung auf die Burg und Leinemühle vor der Stadt. Zwar nur auf drei Jahre, aber was die Steinbergs einmal haben, lassen sie sich nicht so schnell entreißen. Sie lassen also ihrem ältesten Bruder Cord das alte Haus auf dem Klinseberg. Lippold betätigt sich als frommer Pilger in Jerusalem, und Heinrich, der jüngste, bezieht die neuerworbene Burg direkt am Südtor Alfelds zwischen Leine und Stadtmauer. Er ist sehr geschäftstüchtig, dieser Heinrich v. Steinberg. 1397 kauft er ,den Vettern alle Anteile am Gute Düsternthal ab, 1399 lässt er sich vom Bischof Johann mit dem Dorf Gardessen (Gerzen) belehnen, von der Äbtissin Agnes von Gandersheim erhält er im selben Jahre Rechte an dem Dorfe Hörsum - das alles steigert seinen Reichtum, und mit dem Reichtum wachsen Ansehen und Macht. Bei Fehden und Verabredungen finden wir Heinrich von Steinberg oft als Vermittler, von eigenen Streitigkeiten dagegen hören wir kaum. - Im Jahre 1430 stirbt dieser bedeutende Ritter, zugleich der letzte seines Geschlechtes, der in Alfeld seinen Wohnsitz hat. Als nämlich Heinrich und Dietrich, seine Söhne, das väterliche Erbe antreten, kommt es bald zu Reibereien mit den Bürgern der Stadt Alfeld. Gründe für das schlechte Verhältnis sind uns nicht überliefert, wahrscheinlich war die Lage der Burg an allem schuld. Wie konnte das auch gut ausgehen: Ein mächtiger Ritter hat seine Feste unmittelbar unter den Mauern einer Stadt, die auf ihre Unabhängigkeit so versessen ist, wie es mittelalterliche Städte nun einmal zu sein pflegten! Immerhin, es ist kein angenehmes Gefühl für die ehrbaren Alfelder, in so unmittelbarer Nachbarschaft mit den Herren zu leben, die es sich erlauben können, 1445 der Stadt Hannover Fehde anzusagen. 

Aber auch den Steinbergischen Brüdern gefällt dieser Zustand nicht mehr. Sie wenden sich also an ihren Landesherrn, den Bischof Magnus, der ihnen erlaubt, wenige Meilen südlich von Alfeld, dort wo das Wispeflüsschen in die Leine mündet, eine neue, hölzerne Burgstatt zu bauen.

Aus der Chronik von 1951 von Herrmann Janson